Die Bevölkerung Nepals

Die Einwohnerzahl beträgt schätzungsweise über 18 Millionen. Die durchschnittliche Dichte liegt bei 115 Einwohnern/qkm. Da jedoch höchstens 60 % der Gesamtfläche bewohnbar, ja sogar nur 17 % der Landesfläche kultiviert sind, ist die Verteilung recht ungleich. In den Bergregionen, die nur 1/3 des nutzbaren Ackerbodens besitzen, leben 2/3 der Bevölkerung. Das sind 1.500 Einwohner/qkm, was zu problematischen Situationen führt. Zum Vergleich: Berlin hat 4.000, Nordrhein-Westfalen 500, Niedersachsen und Bayern je 150 EW/qkm, die BRD insgesamt 246 EW/qkm. In Kathmandu leben 390.000 Einwohner. Hier finden sich teilweise über 50.000 Menschen pro qkm, und das ohne Hochhäuser, wie wir sie von unseren Städten gewohnt sind. Die beiden anderen großen Städte im Kathmandu-Tal sind Bhadgaon und Patan. Im Terai liegen Biratnagar mit 70.000 und Nepalganj mit 35.000 Einwohner. Andere bedeutende Zentren sind Birganj im Terai und Pokhara im 900 m hoch gelegenen Pokhara Tal.
Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 46 Jahre (BRD: 72 Jahre). Die Säuglingssterblichkeit liegt bei 15 %, ein Fünftel aller Kinder stirbt vor Erreichen des fünften Lebensjahres! Die Geburtenrate lag 1985 bei 42 Geburten pro Tausend Einwohner, die Sterberate bei 18. Daraus ergibt sich eine jährliche Wachstumsrate von 2,6 %. Nepal zählt zu den Ländern mit den höchsten Bevölkerungswachstumsraten. Im Terai wächst die Bevölkerung gar um über 4 %, teils wegen indischer Zuwanderer, teils wegen der Immigration aus dem schwieriger zu bearbeitenden Bergland. Durch Erosion und Bergrutsche aufgrund starker Monsunregenfälle, verbunden mit der ausbreitenden Abholzung der Wälder, verringert sich dort ständig die Anbaufläche. Im Hügelland wächst die Bevölkerung deshalb nur um 1,2 % jährlich, da viele sich gezwungen sehen, ins Terai abzuwandern.
Zu den Analphabeten zählen ca. 88 % der Frauen und 61 % der Männer. 25 % der Bevölkerung können lesen, 1951 war es nur ein Prozent! Selbst in Kathmandu kann heute nur knapp die Hälfte der Erwachsenen lesen, und in nur drei weiteren Landesdistrikten (Patan, Bhaktapur, Pokhara) kann gut ein Viertel lesen, in manchen Distrikten sind es unter fünf Prozent. Diese Zahlen ändern sich ständig, denn ca. 80 % der Kinder besuchen die Grundschule, wenngleich meist nur wenige Jahre und sehr sporadisch. Nur 3 % der Jugendlichen besuchen höhere Schulen oder Universitäten.
Die Bevölkerung gehört den zwei großen Sprach- und Volksfamilien der Tibeto-Burmesen im Norden und der Indo-Arier im Süden an, zusammen etwa 25 unterscheidbare Ethnien.

Hauptgruppen und -sprachen Amts- und Nationalsprache ist Nepali, auch Gorkhali oder Parbatiya genannt, dem Hindi sehr verwandt. Ähnlich wie Hindi, wird es in der aus dem Sanskrit entwickelten Devanagiri-Schrift geschrieben, anders als im Hindi allerdings auch die Zahlen. Nepali wird von 55 % der Bevölkerung verstanden. Außerdem sind Newari mit 4 % und Tibetisch mit 1 % verbreitet. Im Terai werden zahlreiche Dialekte aus der indo-arischen Sprachfamilie gesprochen, aber auch in einem winzig kleinen Gebiet eine dem drawidischen sehr verwandte Sprache. Im Bergland gehören die Sprachen und Dialekte meist zur tibeto-burmesischen Sprachfamilie.
Im dichtbesiedelten Kathmandu Tal leben hauptsächlich Newar (siehe auch Religionsgeschichte, Stadtkultur etc.), deren Sprache hier weithin gesprochen wird. Die Newar sind aus verschiedenen, in das Tal eingewanderten Volksgruppen hervorgegangen, also ein Mischvolk, wenn auch ein sehr altes. Ansonsten sind die Sherpas bekannt. Sherpa wird oft fälschlicherweise als "Bergführer" übersetzt, weil sie sich als solche, aufgrund ihrer traditionellen Rolle als wandernde Kaufleute einen guten Ruf bei Expeditionen erworben haben. Der Sherpa Tensing war z.B. mit Hillary zusammen als erster auf dem Mt. Everest. Dieses Volk ist wohl ursprünglich aus dem östlichen Tibet hier eingewandert. Zu den nördlichen Stämmen der tibeto-burmesischen Sprachengruppe zählen außer diesen beiden noch Magar, Gurung, Tamang, Rai, Bhotia, Chepang, Dolpo, Limbu und die Thakali. Zur indo-germanischen Sprachfamilie gehören die südlichen Ethnien wie Danwars, Satars, Tharus, Khas und die Sprachen der eingewanderten Brahmanen (hier "Bahun" genannt) sowie der meist aus Rajasthan stammenden Kshatrias, hier "Chetris" genannt.
Die im Ausland bekannten Gurkhas sind nicht unbedingt Einwohner der gleichnamigen Stadt, sondern Söldner aus fast allen Stämmen des nördlichen Nepal, hauptsächlich Gurung und Tamang; früher in britischen, heute auch in indischen Diensten, aber auch als Polizisten in Singapur oder als private Wachmänner tätig. Ihr Sold und ihre Pension sind für viele Dörfer Nepals eine gute und zuverlässige Einnahmequelle und für den Staat ein willkommener Devisen-Zufluß.

Einige Volksgruppen Die einzelnen Volksgruppen wie Newar, Tamang, Tibeter, Sherpa usw. unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Lebensweise, Kleidung, Arbeitsweise und Feste deutlich voneinander. Hier nun einige Beispiele dieser Sitten und Gebräuche, um die kulturelle Vielfalt Nepals aufzuzeigen.

Newar
Sie sind die älteste Volksgruppe im Kathmandu-Tal. Ein Newar ist leicht von einem Angehörigen eines Bergstammes zu unterscheiden - wenn er eine Last trägt. Nur Newar befördern ihre Lasten mit Hilfe einer Bambusstange über der Schulter, an deren beiden Enden an Seilen Lastenkörbe befestigt sind. Die Bergstämme tragen ihre Lasten in einem Korb auf dem Rücken, das ganze Gewicht wird durch ein Stirnband gehalten.
Die Newar leben monogam, was in Nepal nicht selbstverständlich ist. Ihre Frauen haben die Möglichkeit, sich von ihrem Mann durch eine einfache Zeremonie zu scheiden. Sie geben ihrem Mann die Betelnüsse zurück, die sie bei der Hochzeitszeremonie erhalten haben. Im Alter von sieben oder acht Jahren werden alle Newarmädchen in der Yihee-Zeremonie symbolisch mit Gott Narayan (Inkarnation Vishnus) verheiratet. Dieser wird durch ein goldenes Bildnis verkörpert. Shiva selbst, in Form einer Bel-Frucht, ist Zeuge der Hochzeit. Das Newar-Mädchen erhält damit den Status einer verheirateten Frau. Diese Hochzeit mit dem unsterblichen Gott Narayan wird als die einzig rechte Hochzeit angesehen, die ein Leben lang dauert. Jede andere Hochzeit mit einem Newarmann ist dagegen leichter auflösbar. Für die Frauen kam somit auch nie eine Witwenverbrennung in Frage, da beim Tod des Ehemanns der wirkliche Partner weiterlebte. Sie konnten wieder in ihr Elternhaus zurückkehren und jederzeit von neuem heiraten.
Die Bauernfrauen tragen meist schwarze Saris mit roter Borte, die Männer die typische Baumwollbekleidung mit der weiten Hose, die unten ganz eng wird. Um die Taille schlingen sie ein Baumwolltuch als Gürtel. Das "kukhri", ein Messer, das von anderen Volksgruppen im Gürtel getragen wird, haben sie nicht. Ich kann mich noch gut an das Gefühl erinnern, als ich das erste Mal das Kathmandu Tal verließ, um in die Helambu-Gegend trekken zu gehen. Ich fühlte mich direkt bedroht von den vielen Nepali, die mir bis an die Zähne bewaffnet erschienen.

Tamang
Sie sind tibetisch-burmesischer Abstammung und erst später eingewandert. Meist kamen sie als Pferdehändler aus Tibet und begannen, Land zu kultivieren und die Hänge zu bebauen. Sie sind meist lamaistische Buddhisten, Lamaisten mit einem deutlichen Einfluß der Bon-Religion. Sie feiern also auch hinduistische Feste und ehren hinduistische Götter. Bei ihnen gibt es kein Kastensystem. Von den anderen Gruppen, die sich an ein Kastensystem halten, werden sie als niedrige Kaste angesehen. Sie leben in den östlichen und zentralen Gebirgsregionen in Nepal, ein kleiner Teil von etwa 5 % im Kathmandu Tal.

Thakali
Die Thakali kann man auf dem Jomosom Trek treffen, denn sie siedeln entlang des Kali Gandaki. Ghasa und Tukche sind die wichtigsten Thakali-Dörfer. Auch sie sind tibetisch-burmesischer Abstammung und gehören meist dem Buddhismus an.

Sherpa
Die Sherpas kann man auf dem Helambu Trek in Malemchi und Tharke Gyang kennenlernen, ebenso in der Solu-Khumbu-Gegend. Sie sind vor sechs Jahrhunderten aus Tibet eingewandert. Ihre Sprache erinnert noch stark ans Tibetische. Sie sind Buddhisten, die meist der Rotmützen-Gruppe angehören. Eine Frau kann mit mehreren Männern, meist Brüdern, verheiratet sein. Seit 1963 ist Polygamie allerdings gesetzlich verboten. Männer tragen als Zweitnamen den Wochentag, an dem sie geboren wurden.

Tibeter
Besonders beeindruckt haben mich auf den ersten Blick die langen Haare, die zu Zöpfchen geflochten und mit roter Wolle zusammengebunden werden. Diese Haartracht findet sich sowohl bei Frauen wie Männern. Die Frauen tragen lange dunkle Gewänder und dazu eine kleine Schürze. Die Tibeter arbeiten oft als Händler und sind auch handwerklich sehr geschickt, z.B. sind sie ausgezeichnete Teppichweber. Sie leben im Kathmandu Tal in Swayambhunath, in Jawalakhel und Bodnath, wo es auch mehrere tibetische Geschäfte gibt, ebenso in der Nähe von Pokhara und im Hochland in der Solu-Khumbu-Gegend zusammen mit den Sherpa.
Die Tibeter bekommen als Kind meist zwei Namen. Der erste ist derjenige des Lama, der half, einen geeigneten Namen zu finden; der zweite soll Glück bringen, ist also z.B. ein religiöser oder ein Name, der auf ein langes Leben hindeutet. Siehe hierzu auch das Kapitel über Lamaismus!


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