Die Upanishaden
'Upanishad' bedeutet Geheimlehre. Hier liegt das Schwergewicht nicht mehr auf der Opferhandlung, sondern auf der Beziehung zwischen Brahman und Atman, d.h. zwischen 'Weltseele' und 'Einzelseele'. Brahman wird auch als kosmische Energie, als das Absolute, nicht mehr in Worten Faßbare beschrieben. Atman ist das wahre Selbst, ein ganz und gar unabhängiger, unwandelbarer, unvergänglicher Wesenszug, der der bewußten, individuellen Persönlichkeit zugrunde liegt. Ziel der indischen Philosophie ist es, dieses Atman zu erkennen, die Einheit von Atman und Brahman zu erleben und somit dem Kreislauf von Tod und Wiedergeburt zu entgehen (siehe unter Hinduismus).
Die Upanishaden geben verschiedenartige Antworten auf die Frage: Wie kann man das Brahman, das Atman erkennen? Sie gehen davon aus, daß diese Kraft zur Erkenntnis in jedem verborgen liegt. Ebenso beschäftigen sich die Upanishaden mit Fragen, die erst seit Jahrzehnten in der ach so modernen und wissenschaftlichen Psychologie untersucht werden, wie das Wesen des Traums, des Tiefschlafs, des Wachens, des Todes etc.. Dabei wird klar, daß die Inder schon vor 2000 Jahren Wissen hatten, das von der westlichen Wissenschaft jetzt erst langsam und unzureichend erarbeitet wird, da die Methoden oft der Sache nicht angemessen sind. So sieht es mit der Überlegenheit der westlichen wissenschaftlichen Welt über das arme Asien aus. Wo der Westen Leben, Umwelt besinnungslos vernichtet, ist in Indien immer noch dieses Wissen lebendig und zeigt sich in einer großen Ehrfurcht vor dem Leben. Die Seele, die in jedem Lebewesen steckt, wird geachtet, woraus sich das Prinzip der Gewaltlosigkeit 'ahimsa' (siehe Gandhi) und die Zuwendung zur vegetarischen Ernährung, der sehr viele Hindus anhängen, ergibt.
Zurück zur Seite Klassische indische Dichtung
Zurück zur Kunst & Kultur Seite