Maharajas

Maharajas in Indien - Teil eines Indienbildes, wieder lebendig beim Besuch des Maharaja-Palastes in Jaipur oder Udaipur, beim Besuch in Fatehpur Sikri und des Taj Mahal. Da ich mich beim Bewundern dieser Gebäude gern in Phantasien zurückziehe und versuche, mir den Glanz vorzustellen, möchte ich hier einiges über diesen Glanz, die Macht und die Verrücktheiten dieser Fürsten erzählen - für jeden, der damit etwas anfangen kann und will.
'Maharaja' setzt sich zusammen aus maha=groß und raja=König. 1947 regierten 565 Maharajas über ein Drittel der Landfläche Indiens und ein Drittel seiner Bevölkerung. Die Größe der Herrschaftsgebiete war recht unterschiedlich. Sie variierte von Staaten in der Größe Westeuropas bis zu Ländereien so klein wie ein Stadtpark. Von dieser Größe war oft die Anzahl der Ehefrauen, Kinder, Elefanten und Rolls Royces abhängig, aber auch der Titel. Ihre politische Macht wurde von den Engländern meist per Vertrag gegen das Recht der Rohstoff-Ausbeutung ihres Territoriums geachtet.
Hauptbeschäftigung der Maharajas bis zur Unabhängigkeit 1947, durch die sie ihre Macht verloren, waren Sport, Jagen, Autos, Frauen, der Besitz von Perlen und Edelsteinen und das luxuriöse Leben in den Palästen mit den verrücktesten Festen. Höhepunkt dieser Feste war eine reichgeschmückte Elefantenprozession, da die Macht eines Maharajas oft nach der Anzahl und Ausstattung seiner Elefanten beurteilt wurde; in späteren Zeiten nahmen die Rolls Royces teilweise den Platz der Elefanten ein. Vielleicht war Mr. Rajneeshs Rolls Royce Sammelwut als Fortsetzung dieser Tradition zu sehen. Er brachte es allerdings in seinen besten Zeiten nur auf knapp 100 Wagen statt der angestrebten 365, bevor er im Januar 1990 verstarb. Mit den aus ihren Ländern eingezogenen Steuern konnten die Maharajas sich die exzentrischsten Hobbies leisten. Im Buch 'Freedom at Midnight' wird der Maharaja von Gwalior beschrieben, dessen Hobby elektrische Modelleisenbahnen waren. Sein Speisesaal war mit der Küche durch Tunnels verbunden, auf denen elektrische Züge das Festessen herbeischafften. Der Maharaja saß während des Dinners am Kopfende der Tafel und bediente ein Schaltpult mit tausend Schaltern, Knöpfen und Kontrollampen und ließ so nach Lust und Laune den einzelnen Gästen Essen vorfahren. Es wird von einem höchst wichtigen Mahl berichtet, bei dem der Herrscher die Kontrolle über seine Züge verlor und - oh Chaos! - den Gästen das Gemüse und die Hähnchen nur so um die Ohren flogen. Ob der Maharaja nach diesem ernsten Zwischenfall weiter an seinem Hobby festhielt, ist nicht bekannt.
Andere Höhepunkte von Maharaja-Festen waren Elefantenkämpfe oder Hundehochzeiten, bei denen die Lieblingshunde des Fürsten unter Anwesenheit von Zehntausenden von Gästen feierlichst verheiratet wurden. Die Tigerjagd war ein gesellschaftlicher Höhepunkt, der selbst der verkrüppelte Maharaja von Udaipur von der Sänfte aus beiwohnte. Teilweise entsprangen diese Ideen nicht nur den Gehirnen der indischen Maharajas, sondern wurden durch den Besuch europäischer Königshöfe angeregt. So hielt sich zum Beispiel der Maharaja von Kapurthale nach einem Besuch in Versailles für eine Inkarnation Ludwig XIV., des Sonnenkönigs, und ließ seinen Hof dementsprechend umgestalten, wobei er obendrein seine indischen Hofbeamten unter weiße Schillerlockenperücken steckte.
Auch ihr Harem war den Maharajas ein liebes Spielzeug, und sie probierten die unmöglichsten potenzstärkenden Mittelchen aus, nur um die Genüsse ihres Harems voll auskosten zu können.
Da viele Maharajas ihre Herkunft von einem Gott ableiteten, ließen sich manche einmal im Jahr von ihren Untertanen als Inkarnation dieses Gottes verehren. Die wohl extravaganteste Vorstellung auf diesem Gebiet gelang dem Maharaja von Patiala. Er fühlte sich einmal im Jahr im Besitz der Manifestation des Shiva-Lingams. Dabei erschien er nackt mit voll erigiertem Penis vor seinem Volk, ließ sich bewundern und huldigen und fühlte sich mit dieser Tat zugleich im Besitz übernatürlicher Kräfte, die er zum Nutzen des Landes zur Vertreibung der bösen Geister aussenden wollte.
Nicht alle Maharajas waren von diesem Kaliber. Ein Teil erkannte die Zeichen der Zeit, gab mit der Unabhängigkeit die Paläste und Teile des luxuriösen Lebens auf und widmete sich der Politik oder dem 'big business'. Viele erhielten sich somit Ansehen und Vermögen und verfügen teils heute noch über großen Einfluß.


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