Die Vegetation Indiens

Entsprechend seiner tropischen Lage weist Indien typische Merkmale dieser Vegetations- und Klimazone auf. Die der niederschlagsreichen Hauptwindrichtung zugewandten Westhänge der Gebirgszüge wie die Westghats im Süden und der östliche Himalayabogen sind teilweise mit immergrünem tropischen Regenwald bedeckt. Die Hänge im Windschatten der Westghats sowie die der zentralen Gebirge auf dem nördlichen und östlichen Dekkan sind mit wechselfeuchten, laubabwerfenden Monsunwäldern bedeckt sowie zum geringen Teil mit laubabwerfenden, trockenem Monsunwald, der sich bis zu den südlichen Ostghats erstreckt.
Die weiten Flächen des Dekkan zeigen sich bedingt durch die Trockenheit im regenarmen Windschatten der Randgebirge als Gras- und Strauchsteppe, wenn sie nicht als Baumwoll- und Hirseanbauflächen genutzt werden.
In der nordindischen Tiefebene hat die Kulturlandschaft des Menschen die natürliche Vegetation verdrängt. Im Westen wird nun Weizen angebaut, im Zentrum Reis und Zuckerrohr sowie im Osten Jute, jeweils wechselnd mit Intensivanbauflächen von Bananenstauden und mannigfaltigen Fruchtbäumen. Auch heute noch sind Teile des Ganges-Brahmaputra-Deltas mit Mangrovesümpfen bedeckt (Sundarbans).
Ein schmaler Küstensaum am Fuße der Westghats und ein breiterer in den Flußdeltas der Ostküste wird zum Anbau von Reis und verschiedenen Palmenarten genutzt. Die höher gelegenen Gebiete der Randgebirge und die Südhänge des östlichen Himalaya ermöglichen den Teeanbau (Assam, Darjeeling), aber auch Obst- und Gemüsegärten.
Da der feuchte Südwest-Monsun vom Himalaya in nordwestliche Richtung abgelenkt wird und dann an ihm entlangstreicht, nimmt der Niederschlag an den Hängen des Himalaya von Osten nach Westen ab. Entsprechend ist im Osten Dschungel anzutreffen, der dann nach Westen hin ausdünnt, zunächst in einen wechselfeuchten, dann in einen trockenen Fallaubwald übergeht, um schließlich in Kashmir und Ladakh wüsten- und steppenartigen Talsohlen zu weichen. Diese sind als Übergangszonen von den Wüsten und Steppen der Indusebene zu den alpinen Kältesteppen Zentralasiens (Tibet) zu betrachten. Andererseits wuchert der Dschungel des 'Sacks von Assam' mit dem Durchbruchstal des Brahmaputra bis nach Tibet hinein. An allen anderen Stellen bildet die zentrale und höchste Kette des Himalaya eine deutliche Grenze zwischen der tropischen bis subtropischen Vegetation des indischen Kontinents mit seinem maritimen Klima und der Hochlandwüste Innerasiens mit ihrem kontinentalen Klima. Entsprechende Vielfalt kann von der Vegetation im Himalaya erwartet werden, für mich allein schon deshalb eines der reizvollsten Gebiete.


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