Kunst & Kunsthandwerk in Indien

Die künstlerischen Traditionen des Subkontinents reichen anhand von Funden nachweisbar mindestens in die Zeit der Industal-Kultur (2500 bis 1500 v.Chr.) zurück. Auch in den alten Schriften wie Rigveda (ca. 2000 v.Chr.), Ramayana und Mahabharata werden bereits Schmuckgeschmeide erwähnt. Viele Kunstformen haben, wie so vieles in Indien, ihre Wurzel in der Religion. Die klassischen Traditionen in Musik, Tanz, Architektur, Skulptur, Theater und Literatur haben sich bis heute lebendig erhalten und werden an Universitäten und privaten Stätten wie der Kalakshetra-Kunstakademie in Madras aktiv weiterentwickelt.
Auch der Austausch mit fremden Rassen und Kulturen hat die indische Kunst beeinflußt; diese Einflüsse wurden jedoch kreativ assimiliert. Ab dem 12. Jh. hat sich der Stil der Sarazenen mit dem hinduistischen Stil vermischt, und die Paläste, Moscheen und Grabmäler sind noch heute Zeugnisse dieses mohammedanischen Einflusses. Das Kunsthandwerk stand früher unter dem Schutz der Aristokratie und wurde von dieser finanziert. Mit dem Beginn des industriellen Zeitalters ging diese Unterstützung zurück. Viele Künstler wurden arbeitslos und sahen keine Möglichkeit mehr, mit ihrem Können ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Vorher hatte das Kunsthandwerk immerhin 15 % des nationalen Einkommens erarbeitet.
1952 wurde dann All India Handicrafts Board gegründet mit dem Ziel, das Kunsthandwerk wieder zu beleben und einen Absatzmarkt zu schaffen. In jeder großen Stadt gibt es jetzt ein staatliches Kunsthandwerkgeschäft, Handicraft Board oder State Emporium. Den Export in 90 Länder fördert seit 1962 die Handicrafts and Handlooms Exports Corporation of India Limited (HHEC), z. B. durch Handelszentren und Ausstellungen. Solche Handelszentren gibt es u.a. in Düsseldorf und New York.
Die All India Handicrafts Board verleiht seit 1956 alljährlich zehn nationale Preise an die besten Künstler. Ein Preis ist mit 2500 Rs dotiert. Gefördert werden auch sehr extravagante, fast ausgestorbene Kunstrichtungen.
Indien ist ein Paradies für kunsthandwerkliche Arbeiten aus Stein, Holz, Bronze, Messing, Elfenbein und Knochen, Bambus, Ton, Pappmaché, Gold und Silber sowie Edel- und Halbedelsteinen. Es gibt wunderschöne Silberfiligranarbeiten, Fußkettchen und sonstigen Silberschmuck sowie schweren Goldschmuck mit kostbaren Edelsteinen.
Besonders weit sind die Textilverarbeitungstechniken entwickelt, so daß neben den farbenprächtigen Alltagsstoffen (z.B. Saris) kunstvolle Stoffgemälde und handgeknüpfte Teppiche mit traditionellen, jahrhundertealten Mustern erworben werden können. Die Stoffauswahl an verschiedenen Materialien und Designs ist riesig. Sie reicht von handbedruckten Baumwoll- und Seidenstoffen über zierliche Stickereien und hauchzarte, handgewebte Stoffe bis zu schweren glänzenden Materialien. In Baumwoll- und Seidenstoffe werden oft feingesponnene Gold- oder Silberfäden eingewebt.
Devotionalien aus Messing leuchten in jedem Bazar. Auch Haushaltsgeräte und andere Gebrauchsgegenstände werden aus Kupfer, Messing und Bronze kunstvoll hergestellt, oft auch noch mit Silber beschlagen.
Neben diesen vielbeachteten Künsten gibt es noch eine weniger beachtete, die von den indischen Frauen ausgeführt wird. Vor dem Haus und vor Tempeln werden glücksbringende Symbole, Mandalas, mit weißer Kreide oder bunt auf das Pflaster oder in Sand gemalt oder mit Farben gestreut.
Die verschiedensten überlieferten ländlichen Hausformen in den Regionen Indiens sind schon Kunstwerke für sich. Dabei passen sich Architektur und Material hervorragend in die Natur ein bzw. werden von dieser bestimmt: Palmenholzlangbauten in Kerala, Sandsteingebäude im Himalaya, Lehmhütten bzw. -häuser auf dem Dekkan - Material und Stil als Ausdruck der Natur und Abbild der Kultur des in ihr und mit ihr lebenden Menschen.

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