Kolonialismus

1498 erscheinen nach den antiken Römern und Griechen die ersten Europäer, die Portugiesen, unter Vasco da Gama auf der Bildfläche. Sie beginnen mit der Errichtung von Handels- und Missionsstationen an der Westküste. Der Vorstoß Dschingis-Khans über den Khyber-Paß nach Indien wird 1221 abgewehrt, wie auch später weitere Einfälle der Mongolen; im 16.Jh. jedoch werden die afghanischen Muslime von dem Mongolen Babur abgelöst. Der bedeutendste Mogulherrscher ist Akbar (1555-1605), der mit einem Berufsheer den gesamten Norden zusammenhält und für ein tolerantes Zusammenleben mehrerer Religionen eintritt. Wichtigste Bauwerke der Mogul-Ära (16. bis 18.Jh.) sind die Residenzstadt Akbars - Fatehpur Sikri bei Agra -, das Taj Mahal - Mausoleum der Lieblingsfrau Shah Jahans - sowie der im Rajputenstil erbaute Go-Mandal-Tempel in Udaipur.
Im 17.Jh. kommt es zu neuen Macht- und Gebietsverteilungen: 1672 besetzen die Franzosen Pondicherry, 1690 erobern die Engländer Calcutta. Die Mahraten unter ihrem Führer Shivaji bekämpfen die Mogulen und befreien ganz Mittelindien. Im 18.Jh. erobern die Perser Delhi und rauben den unter Shah Jahan entstandenen Pfauenthron.
Zwischen Engländern und Franzosen kommt es zu Machtkonflikten, die in der Schlacht von Plassey 1757 zugunsten der Engländer entschieden werden. Hier wird der Grundstein für das britische Kolonialreich gelegt.
Zuerst geht es jedoch nur um Handelsinteressen, und die Macht liegt in den Händen der Britisch-Ostindischen Handelsgesellschaft, die als mächtigste Firma der Welt ein Fünftel der Menschheit ausbeutet. Bis Mitte des 19.Jh. haben es die Engländer durch geschickte Verhandlungen und kriegerische Auseinandersetzungen geschafft, den größten Teil des Landes unter ihre Herrschaft zu bekommen. Sie überlassen die befreundeten Maharajas ihrem genußsüchtigen Luxusleben und kümmern sich selbst um die Rohstoffe wie Gewürze und Baumwolle.
1857 kommt es zum offenen Widerstand gegen die englische Herrschaft. Teile der britisch-indischen Armee und aufständische Fürsten wenden sich gegen die Engländer, doch gelingt es diesen trotz der dünnen Führungsschicht mit Hilfe nepalesischer Gurkhas und aus dem Ausland herbeieilender britischer Truppen, den Aufstand niederzuschlagen.
Die politische Macht geht von der British East India Company über auf die britische Krone. 1858 wird Königin Victoria Kaiserin von Indien, das somit dem britischen Empire einverleibt ist. Die Engländer bringen ihr europäisches technisches Wissen und ihre Gesetzgebung ein. Die Oberschicht der Inder hat Zugang zu den neugegründeten Universitäten und Schulen. In dieser europäisierten intellektuellen Oberschicht wächst bald der Wunsch nach größerer Freiheit von den Besatzern.
1887 wird der Indische Nationalkongreß gegründet, dessen Ziel die Erhaltung der eigenen Tradition und die Unabhängigkeit von England ist. Diese Ideen finden wenig Widerhall in den mittleren und unteren Schichten, die aufgrund jahrhundertealter Unterdrückung in politische Apathie verfallen sind. Erst durch Mahatma Gandhi (1869-1948) wird diese Unabhängigkeitsbewegung zur Volksbewegung.


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