Die Grundlagen

Was uns als Europäer natürlich als erstes auffällt, sind die fehlenden Moll-Dur-Harmonien in einer indischen Musikdarbietung. Die indische Musik ist modal, d.h. das ganze musikalische Geschehen kreist um einen Ton, den Grundton. Dieser Grundton und meist auch seine Quinte werden immer wieder aufs Neue von den Begleitinstrumenten wiederholt, um dadurch auf den bestimmten Klangcharakter, sprich Modus, einzustimmen. In Indien kennt man über 72 verschiedene Modi, wir Europäer kennen nur zwei, nämlich Dur und Moll, abgesehen von den Kirchentonarten. Auch hier gibt es keine bestimmte vorgeschriebene Tonhöhe des zu spielenden Grundtons, wie z.B. bei uns der Kammerton a mit seinen 440 Schwingungen pro Sekunde. Der indische Musiker, speziell der Sitarspieler, stimmt sein Instrument auf seinen eigenen inneren Grundton ein. Indische Musik ist auch meistens solistische Musik, denn der Musiker spricht durch sein Instrument, er versucht, den bestimmten Gefühlsgehalt, z.B. einer Raga, zu entwickeln und vermittelt ihn dann dem Zuhörer. Bei mehreren, gleichzeitig spielenden Sitarspielern käme nur ein großes musikalisches Palaver zustande, denn jeder hat natürlich seine eigene Interpretation. So steht der indische Musiker jedesmal vor der großen musikalischen Aufgabe, die Sprache der Töne bei jeder Aufführung neu zum Leben zu erwecken.

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