Indische Bürokratie
Wer sich schon über unsere Bürokratie aufregt, kann sich in Indien auf Postämtern, bei Visumverlängerungen, im Krankenhaus, bei Grenzüberschreitungen, auf der Bank, bei der Polizei und allen anderen Ämtern erst richtig ärgern. Wichtig sind vor allem Geduld und das richtige Formular ausgefüllt zu haben. Sollte all dies nichts nutzen, verlange man den vorgesetzten Beamten oder höchsten Vorgesetzten, den Manager. Bei ihm sollte man die eigene (Not-)Lage schildern und psychologisch geschickt die entsprechende Institution loben und was sie alles möglich machen kann und daß man vollstes Vertrauen in ihn, den sicherlich fähigen Vertreter dieses Amtes, habe. Auch hier Geduld bis zu mehreren Stunden! Wenn er sich kurzzeitig nicht um dich kümmert, sitzenbleiben und warten. Warten und Nichtstun wirken oft Wunder, was für unseren westlichen Kopf schwer zu verstehen ist. Wer ausflippt, rumschreit und tobt, wird als krank angesehen. Erst wenn auch die Frage nach dem Complaint Book, das niemand verweigern darf, nicht gezogen hat, sollte man sich das Für und Wider eines solchen Ausflippens ruhig überlegen. Es kann nämlich passieren, daß dieser so ausgeflippte Kranke als hilfsbedürftig angesehen wird und seinen Wunsch doch gewährt bekommt.
Kleine Geschenke können Wunder wirken, wenn sie nicht aufdringlich angeboten werden. Am besten nach dem Scheitern der ersten Verhandlungen z.B. einen Kugelschreiber oder ein Feuerzeug liegenlassen und nach einer halben Stunde wiederkommen. Dann mit der gleichen Ruhe und Gelassenheit ohne Hinweis auf das 'Vergessene' von vorne anfangen. Ein persönliches Foto wirkt auch oft Wunder. Vorsicht, manche Beamte reagieren bei Bestechungsversuchen hauptsächlich mit Geld sehr empfindlich! Vielleicht sind andere Reisende da, die über den jeweiligen Beamten Auskunft geben können, z.B. bei einer Visumverlängerung. Bei allen Behördengängen und Buchungen den Paß, einige Paßfotos, einen Kugelschreiber und was zu lesen mitnehmen. Die Zeit vergessen; sie verstreicht ohnehin ...
Ehrlich gesagt finde ich, daß sich auch hier mit den Jahren vieles zum Positiven verändert hat.
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